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Neuroaffirmative Therapie: Menschen stärken statt normieren

Neurodivergenz beschreibt neurologische Vielfalt. Was gemeinhin von der Gesellschaft als „neurotypisch“ gewertet wird, kennt vielfältige Abweichungen. Neurodivergente Personen nehmen Dinge anders wahr und verarbeiten Reize anders als „neurotypische“ Personen, sind deshalb aber nicht fehlerhaft.

In der Psychotherapie unterstütze ich neurodivergente Personen, Strategien und Umgangsformen zu finden, die zu ihnen passen – und nicht dabei, möglichst neurotypisch zu funktionieren.

Variation vs. Störung

Die Neurodiversitätsbewegung entstand in den 1990er-Jahren. Frühere Erklärungsmodelle betrachteten AD(H)S, Autismusspektrum und Lernabweichungen als Störungen. Demgegenüber steht das Konzept der Neurodiversität: Sie sieht neurologische Unterschiede als Teil unserer menschlichen Vielfalt.

Autismus, Lernabweichungen oder AD(H)S sind keine „Fehler“, sondern alternative Formen der Informationsverarbeitung. Schwierigkeiten entstehen häufig erst im Zusammenspiel mit einer Umwelt, die auf neurotypische Bedürfnisse ausgerichtet ist.

Passung vs. Anpassung

Früher wurde Therapiefortschritt daran messen, wie gut es dem*der Klient*in gelingt, „unauffällig“ zu funktionieren und vermeintliche Normen zu erfüllen. Sich anzupassen, eigenen Impulsen oder Bedürfnissen nicht nachzugehen („Masking“) kann sich kurzfristig hilfreich anfühlen, geht jedoch langfristig oft mit Erschöpfung, Stress und Identitätskonflikten einher.

Neuroaffirmative Therapie verschiebt den Fokus: nicht Anpassung steht im Zentrum, sondern individuelle Passung. Die entscheidende Frage für mich lautet: Wie kann mein*e Klient*in das Leben so gestalten, dass es zu ihr*ihm passt?

Neuroaffirmative Therapie

In einer neurotypischen Welt möglichst nicht auffallen zu wollen, kann sehr belastend und anstrengend sein. Diese Belastungen ernst zu nehmen und gleichzeitig individuelle Strategien und Stärken zu fördern, ist mir in der therapeutischen Arbeit ein großes Anliegen.

Es gibt nicht den einen einzigen richtigen Weg und es gibt keine Abweichung, die korrigiert werden muss. Es gibt viele mögliche Wege, die ich mit meinen Klient*innen gemeinsam erkunde; die Expertise über das eigene Erleben liegt bei ihnen.

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